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Bundesliga

CORONAVIRUS SCHICKT LÖWEN IN DIE SOMMERPAUSE

Was das vorzeitige Saisonende für den Bergischen HC bedeutet und welche Schlüsse Trainer Sebastian Hinze aus den Spielen zieht.

Die 36 Clubs der 1. und 2. Handball-Bundesliga haben sich nahezu einstimmig für den Abbruch der laufenden Saison entschieden. Der THW Kiel ist Deutscher Meister, der Bergische HC beendet die Saison auf dem 13. Platz. Wir beleuchten, was das vorzeitige Ende für die Löwen bedeutet.

War der Abbruch unvermeidbar?

Angesichts der Tatsache, dass in Deutschland Kontaktbeschränkungen gelten, ist an ein geschlossenes Mannschaftstraining nicht zu denken. „Es wäre auch ein falsches Signal an die Gesellschaft“, sagt BHC-Geschäftsführer Jörg Föste. „Wir haben uns deshalb, und aufgrund der Tatsache, dass wir eine Fürsorgepflicht den Spielern gegenüber haben, ebenfalls für einen Abbruch ausgesprochen.“ So sei es kaum möglich, die Handballer, die seit Anfang März nicht mehr trainieren, rechtzeitig fit zu bekommen, um die Spielzeit bis zum 30. Juni zu Ende zu bringen. Das Datum ist entscheidend, weil die Spielerverträge zu diesem Zeitpunkt auslaufen.

Wie hätte eine Fortsetzung ausgesehen?

Nur Spiele ohne Zuschauer wären – wenn überhaupt – denkbar gewesen. Das hätte bedeutet: Die Zuschauer-Einnahmen, die im Handball eine große Rolle in den Etats der Bundesligisten spielen, fehlen weiter. Fernsehgelder wären geflossen, Sponsorenverträge wohl weitgehend erfüllt worden. Gleichzeitig hätten die Vereine ihre Spieler aus der Kurzarbeit holen müssen, wodurch die Lohnkosten wieder gestiegen wären. „Da unser Entschluss sowieso schon fest stand, haben wir uns über die Wirtschaftlichkeit gar keine Gedanken mehr gemacht“, betont Föste.

Wie hoch sind die Einbußen, die der BHC nun kompensieren muss?

„Wir rechnen mit einer Summe von 300.000 bis 400.000 Euro“, sagt der Geschäftsführer. Zuschauer-Einnahmen bleiben aus, Fernsehgelder werden nicht gezahlt, und spieltagsrelevante Einnahmen im Sponsoring-Bereich fehlen ebenfalls. Rückforderungen von Partnern gäbe es hingegen keine. „Wir verspüren ein hohes Maß an Solidarität“, freut sich der 59-Jährige. „Das gilt auch für die Zuschauer. Wir haben kaum Rückläufer bei bereits verkauften Tickets. Auch das ist ein Grund dafür, dass die Summe im Vergleich zu anderen Vereinen nicht so hoch ausfällt.“

Werden Fans generell entschädigt?

Die Option besteht. Sowohl Tagesticket- wie auch Dauerkarten-Inhaber können sich Gutscheine für künftige Spiele ausstellen oder den Preis für die vier ausfallenden Spiele erstatten lassen. „Die Anfragen sind marginal, was uns natürlich sehr freut – vor allem, wenn wir das mit den Erkundigungen, ob eine vorzeitige Verlängerung der Dauerkarten möglich sei, vergleichen“, erläutert Philipp Tychy, der BHC-Geschäftsführer für den Marketing-Bereich. Der Anreiz, auf Erstattungen zu verzichten, wird seitens des BHC nochmals verstärkt. „Wir bieten an, Dauerkarten in ein sogenanntes Stammblatt umzuwandeln“, erklärt Tychy. „Damit garantieren wir den gleichen Platz zum unveränderten Preis – auf Lebenszeit. Preiserhöhungen wird es für Stammblatt-Inhaber also nicht mehr geben.” Interessierte Fans mögen sich an info@bhc06.de wenden.

Wie übersteht der BHC die Krise?

„Wir sind gut aufgestellt, was auch auf die positive wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen drei bis vier Jahre zurückzuführen ist“, stellt Jörg Föste klar. Um die Phase zu überbrücken, haben die BHC-Gesellschafter einen Kredit in Höhe von 500.000 Euro gewährt. Die gleiche Summe soll zusätzlich bei der KfW-Bank beantragt werden. „Dadurch wird Liquidität gesichert“, sagt der Geschäftsführer – und betont: „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt handelt es sich nicht um einen notwendigen Kredit, sondern eine Vorsichtsmaßnahme.“

Wie ist der Plan für die kommende Saison?

Die Löwen setzen fest auf einen Start in die Spielzeit Anfang September. „Natürlich vor Zuschauern“, wie Föste betont. Man plane derzeit mit dem Berliner Modell, nach dem bis Ende August Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern verboten bleiben. Bis zum 24. Oktober dürfen nicht mehr als 5000 Menschen dabei sein. „Grundsätzlich muss man unterscheiden“, erklärt Föste. „4000 Zuschauer in einer großen Arena sind anders zu bewerten als in der Wuppertaler Unihalle.“ Dass nun die meisten, oder gar alle Heimspiele nach Düsseldorf in die ISS-Arena (Fassungsvermögen mehr als 15000 Plätze) verlegt werden, sei laut Föste zum jetzigen Zeitpunkt nicht geplant. 

Gibt es Veränderungen bei der Kaderplanung?

Der BHC möchte seine Struktur erhalten und mit vollem Kader in die nächste Saison gehen. Nationalspieler David Schmidt stößt genauso zum Team wie der norwegische Nationalspieler Tom Kare Nikolaisen und der junge Tom Bergner. Die Löwen verlassen werden hingegen Leos Petrovsky, Rafael Baena und Kapitän Kristian Nippes. 

Wann beginnt die Vorbereitung?

Trainer Sebastian Hinze möchte Anfang Juli beginnen. Das kann sich natürlich ändern, denn aktuell ist es noch nicht zu beantworten, ob Mannschaftstraining erlaubt sein wird oder in kleineren Gruppen gearbeitet werden soll. „Wir werden darauf hinarbeiten, wieder Handball spielen zu können“, sagt Hinze. Die Herausforderung ist groß, denn im Juli wird das Team vier Monate nicht mehr zusammen in der Halle gestanden haben. Der Coach plant für viele unterschiedliche Szenarien und hat das inzwischen traditionelle Trainingslager in der österreichischen Weststeiermark auch noch nicht aufgegeben.

Wie bewertet der Trainer die abgebrochene Saison?

„Das fällt schwer, weil die Saison kein komplettes Bild ergibt“, sagt Hinze. „Wir hatten uns noch viel vorgenommen, konnten das aber nicht zeigen.“ Ein Unterschied im Vergleich zur vorigen Saison sei gewesen, dass den Löwen vieles deutlich schwerer gefallen sei. „Wir haben nichts geschenkt bekommen“, meint Hinze. „Es fühlte sich oft schwieriger an, die Punkte zu holen.“ Das habe dazu geführt, dass seine Mannschaft mit Druck umgehen musste. „Sie hat immer dann geliefert, wenn sie es musste. Damit bin ich sehr zufrieden.“ Eine Steigerung auf der Torhüter-Position hat der Coach indes vermisst, und die Effektivität im Abschluss – speziell aus sechs Metern – fehlte über weite Strecken ebenfalls. „Alles andere war auf gutem Niveau.“ Damit meint Hinze unter anderem die Abwehr, die zweite Welle und den Positionsangriff inklusive Rückraum.

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